Klinische Psychologie und
Klinische Neuropsychologie

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Die Bedeutung von Belastung, Emotionsverarbeitung und Körpersensitivität für pseudoneurologische Symptome

Neurologische Symptome (wie beispielsweise Bewegungs-, Sensibilitäts- und Sehstörungen), denen nach neurologischer Untersuchung kein organischer Befund zugeordnet werden kann, werden als pseudoneurologische Symptome (PNS)[1] bezeichnet. Mit hohem Chronifizierungsrisiko, Leidensdruck und auch Folgekosten sind PNS klinisch relevant. Gleichzeitig sind aber Diagnostik und Indikationsstellung durch klassifikatorische Unklarheit und unbefriedigende ätiologische Modelle eingeschränkt.

Verschiedenen Faktoren wird in der Entstehung von PNS Relevanz beigemessen, die Bedeutung ihres Zusammenwirkens wurde bisher kaum untersucht. Um Erkenntnisse über die Gewichtung und das Zusammenwirken dreier zentraler Einflussfaktoren zu erlangen, werden verschiedene Kennwerte zu emotional belastenden Erfahrungen, Emotionsverarbeitung und Körpersensitivität bei Personen mit PNS erhoben. Dazu kooperieren wir in diesem DFG-Projekt mit den Stationen für Psychotherapeutische Neurologie und Psychosomatik der Kliniken Schmieder in Konstanz und Gailingen und für eine Vergleichsgruppe mit PTBS-Patienten und –Patientinnen auch mit der Trauma-Station der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit.

 

 

 

Wir prüfen in diesem Projekt die Hypothese, dass PNS als somatoforme (gegenüber psychoformen) Dissoziationen aus dem Zusammenwirken von prominenter (emotionaler) Belastung, veränderter Emotionsverarbeitung (d.h. Emotionswahrnehmung und –regulation) und veränderter Körpersensitivität resultieren (s. Abb.). Dieses hypothetische Modell wird in drei Studien geprüft, eingesetzt werden dafür

  1. strukturierte, standardisierte Selbstauskunftsverfahren (belastende Erfahrungen, Emotionsverarbeitung und Symptomatik) in der Interviewsituation;
  2. elektromagnetische und peripherphysiologische Kennwerte (Emotionsverarbeitung und Körpersensitivität) in experimentellen Designs;
  3. eine experimentelle Intervention unter Berücksichtigung der aus den ersten beiden Studien gewonnenen Erkenntnisse (d.h. unter Berücksichtigung der Einflüsse belastender Erfahrungen auf Emotionsverarbeitung und dissoziative bzw. pseudoneurologische Symptomatik).

Wir erhoffen uns davon substantielle, empirisch belegte Erkenntnisse, die zur verbesserten Diagnose und Behandlung von PNS beitragen.

 

 

 

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Doktorandinnen im Projekt: Johanna Fiess und Johanna Kienle

Projektleitung: Dr. Astrid Steffen und Prof. Dr. Brigitte Rockstroh

 

 

 

Publikationen

  • Fiess, J., Rockstroh, B., Schmidt, R., Steffen, A. Electromagnetic correlates of emotion regulation in functional neurological symptoms indicate involvement of sensorimotor brain regions  a signature of conversion? Journal Psychosomatic Research 79(6):477-83. doi: 10.1016/j.jpsychores.2015.10.009.

  • Steffen, A., Fiess, J., Schmidt, R., Rockstroh, B. (2015) “That pulled the rug out from under my feet!” – Adverse Experiences and Altered Emotion Processing in Patients with Functional Neurological Symptoms compared to Healthy Comparison Subjects. BMC Psychiatry, 15:133, doi: 10.1186/s12888-015-0514-x.

  • Fiess, J., Rockstroh, B., Schmidt, R., & Steffen, A. Functional Neurological Symptoms modulate processing of emotionally salient stimuli. (revision)