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A Formal Theory of Counterfactuality and Conditionality

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PI: Prof. Dr. Wolfgang Spohn

Postdoc: Dr. Arthur Merin

 

Kontrafaktische Aussagen, obschon dauernd verwandt, wurden in der Geschichte der Philosophie erst sehr spät als eigenständiges Thema entdeckt; eigentlich hob es, nach gewissen Vorarbeiten, erst mit der Bahn brechenden Monographie von Lewis (1973a) an. Mit dem Parallel-Aufsatz von Lewis (1973b) wurde gleichzeitig die Virulenz dieses Themas für die klassischen Fragen nach der Natur von Kausalität und von Kausalerklärungen offenbar. Die Entwicklung kontrafaktischer Theorien der Kausalität erfuhr mit Collins et al. (2004) einen jüngsten Höhepunkt. Woodward (2003) gab ihr eine klare, so genannte interventionistische Interpretation und arbeitete so ihre Anwendbarkeit insbesondere in den Natur- und den Sozialwissenschaften heraus. Ob wissenschaftliche Erklärungen immer Kausalerklärungen sind, ist umstritten. Letztere bilden aber zweifelsohne ihre Hauptform; und so waren Untersuchungen zur Kausalität immer auch Untersuchungen über wissenschaftliche Erklärungen (vgl. etwa den umfassenden Überblick von Salmon 1990).

Die Zusammenhänge sind aber alles andere als befriedigend aufgeklärt. Das Ziel dieses Teilprojekts liegt freilich nicht in all den offenen Detailfragen, auch wenn die kontrafaktische Theorie der Kausalität und der Kausalerklärung erst mit der ins Spezialistische gehenden Bearbeitung dieser Detailfragen zu einem erfolgreichen Unternehmen werden kann. Das Thema liegt vielmehr in einer grundlegenden Unklarheit hinsichtlich der Semantik und der Epistemologie kontrafaktischer Aussagen. Im Gefolge von Lewis (1973a,b) wurden kontrafaktische und damit auch Kausal-Aussagen realistisch, als mit Wahrheitsbedingungen ausgestattet interpretiert; für die Frage ihrer Feststellung oder wenigstens Bestätigung ist dann die allgemeine Erkenntnistheorie ebenso zuständig wie für die anderer Aussagen. Demgegenüber wurde die insbesondere von Gärdenfors (1988) vertretene epistemische Interpretation, wonach kontrafaktische Aussagen nur Behauptbarkeitsbedingungen haben und primär keine beschreibende Funktion haben, sondern unsere epistemischen Einstellungen ausdrücken, an den Rand gedrängt; in Bezug auf Kausalität und Kausalerklärungen wurde sie von Spohn (1991, 2006) stark gemacht. Das rückt die Epistemologie kontrafaktischer Aussagen in ein ganz anderes Licht, welches noch unzulänglich ausgelotet wurde. Auch die Rückwirkungen auf die Epistemologie von Kausalaussagen und -erklärungen wurde wenig untersucht. Dies soll der Fokus dieses Teilprojekts sein.

Das ist wichtig, weil der Disput zwischen der realistischen und der epistemischen Interpretation kontrafaktischer Aussagen in der Philosophie nach wie vor virulent ist (s. auch Bennett 2003). Vor allem aber sind alle anderen Teilprojekte von diesem Disput affiziert, und daher ist es wichtig, ihn in diesem Teilprojekt zu thematisieren.

Bennett, J. (2003), A Philosophical Guide to Conditionals, Oxford: Oxford University Press.

Collins, J., Hall, N., and Paul, L. A. (eds.) (2004), Causation and Counterfactuals, Cambridge, Mass.: MIT Press.

Gärdenfors, P. (1988), Knowledge in Flux. Modeling the Dynamics of Epistemic States, Cambridge, Mass.: MIT Press.

Lewis, D. K. (1973a), Counterfactuals, Oxford: Blackwell.

Lewis, D. K. (1973b), "Causation", Journal of Philosophy 70, 556-567.

Salmon, W. C. (1990), Four Decades of Scientific Explanation, Minneapolis: University of Min-nesota Press.

Spohn, W. (1991), "A Reason for Explanation: Explanations Provide Stable Reasons", in: W. Spohn, B. C. van Fraassen, B. Skyrms (eds.), Existence and Explanation, Dordrecht: Kluwer, pp.165-196.

Spohn, W. (2006), "Causation: An Alternative", British Journal for the Philosophy of Science 57, 93-119.

Woodward, J. (2003), Making Things Happen, Oxford: Oxford University Press.